Dresdner SC – FC Oberlausitz Neugersdorf 8:7 n. E.

Tore: 0:1 Cellarius (22.), 1:1 Müller (28.), 2:1 Wutschke (31.), 2:2 Wendschuh (41.), 3:2 Thomas (78.), 3:3 Merkel (85.)
Elfmeterschießen: 4:3 Fuchs, 4:4 Keil, 5:4 Sieradzki, 5:5 Cellarius, 6:5 Thomas, 6:6 Merkel, 7:6 Long, 7:7 Petrick, 8:7 Nodewald, Schouppe hält gegen Berg
Dresdner SC: Schouppe – Long, Hönle, Wutschke (46. Kluge), Fuchs, Sieradzki – Al Akied (98. Milic), Müller (91. Käseberg), Hänisch (114. Nodewald), Thomas – Augustin
FC Oberlausitz Neugersdorf: Männel – Wendschuh (60. Fröhlich), Petrick, Berg, Merkel – von Brezinski, Drassdo (114. Asllani), Cellarius, Schober (79. Magdeburg), Lutz (46. Golzsch) – Keil
ZuschauerInnen: 275 (Heinz-Steyer-Stadion)

Bericht:
Wann hat es das zuletzt gegeben? In einem Wahnsinns-Spiel für das kein Superlativ übertrieben scheint, siegt der Sportclub im Elfmeterschießen über den Oberligisten FC Oberlausitz Neugersdorf. Held des Tages ist die mannschaftliche Geschlossenheit, bei der kein Mannschaftsteil und kein Einwechsler nur einen Millimeter abfiel.

Die Gäste, die immerhin den dritten Platz der Oberliga belegen, traten in der Hauptsache mit Stammkräften an, die beim Gros der Ligaspiele bereits aufliefen. Der FCO war der Meinung, er könne über den ersatzgeschwächten Sportclub mal kurz drüber wischen und dann noch die Wochenendeinkäufe erledigen. Daher sollte auf Wunsch der Gäste bereits um 11.00 angestoßen werden, um sich nicht den Samstag zu versauen.

Die Oberlausitzer hatten die Rechnung allerdings ohne die ohne Kapitän Timo Hoffstadt und Flügelwiesel Juli Wetzel antretenden Friedrichstädter und ihrem größten Faustpfand, die abermals herausragende Chancenverwertung, gemacht. Aus wenig das Maximale herauszuholen ist derzeit die große Stärke der Wege-Elf, weshalb die anwesenden 275 Fußballenthusiasten ihr Kommen nicht bereuen sollten und bejubeln konnten, wie der Sportclub mit überragender Leidenschaft den Halbprofis gehörig die Sonntagsmesse verdarb.

Zunächst sah es allerdings so aus, als habe sich der Fußballgott einmal mehr gegen die Rothemden gewandt. Denn was man nicht alle Tage sieht: Tim Cellarius verwandelte sehenswert eine Ecke von der linken Seite, und zwar direkt. Schouppe musste machtlos mit ansehen, wie sich der Ball am langen Pfosten unhaltbar in die Maschen senkte.

Der Sportclub, der bisher offensiv kaum in Erscheinung trat, musste nun versuchen sich auszuigeln und Nadelstiche zu setzen. Als sich Robert Thomas das erstmal so richtig über die Mittellinie traute, führte ein Abstimmungsproblem des FCO Hüters mit seiner Verteidigung zu einer mehr und minder brenzligen Situation. Freistoß aus dem Halbfeld und es müllerte zum überraschenden Ausgleich. Eine kleine Aktie daran hatte auch der Torhüter Karl Männel.

Nur kurze Zeit nach Wiederanpfiff raschelt‘s erneut und der Sportclub bekommt wieder einen Freistoß zugesprochen. Diesmal auf der anderen Seite. Olaf Sieradzki bringt den Ball scharf vor’s Gehäuse und Männel sieht erneut nicht gut aus. Die Torhüter aus der Schmiede des SC Borea eilt aus seinem Kasten und prallt mit Sebastian Berg zusammen. Erik Wutschke kann die Kopfballverlängerung von Adib Al Akied im Kasten unterbringen und der Sportclub führt sensationell mit 2:1.

Doch kurz vor der Pause erzielt der FCO mit dem ersten herausgespielten Tor des Tages doch noch den Ausgleich und es geht mit einem 2:2 in die Unterbrechnung. In der Kabine gleich die zweite Hiobsbotschaft. Der Torschütze muss angeschlagen den Platz verlassen und Enrico Kluge kommt in die Partie.

Der zweite Durchgang beginnt mit einem Hammer. Youngstar Pascal Hänisch marschiert auf das Tor der Gäste und verlädt mit einem angetäuschten Torschuss seinen Gegenspieler, der vor ihm auf die Knie geht. Die Auswechsler des FCO raunen Anerkennung. Auch der Rest der blau-weißen kommt nicht mehr heraus aus dem Staunen und verweilt in Schockstarre. Passis sehenswerter Abschluss aus dem Stand prallt an den Innenpfosten, aber nicht ins Tor! Das wär’s gewesen! Nein, zu früh, meint der Hobbypsychologe.

Im weiteren Verlauf finden die Gäste kaum adäquate Mittel um wirklich gefährlich vor’s Sportclubgehäuse zukommen. 10 Minuten vor Schluss erläuft Felix Augustin dann einen Querpass tief in der gegnerischen Hälfte, er spielt auf Thomas und der mit der Brust zurück auf Augustin, der den Kopf hebt und erneut quer auf Thomas legt. Augustin bereits mit dem Torjubel auf den Lippen abdrehend kann  im Augenwinkel noch verfolgen wie Thomas einkappt, den Hüter verlädt und von so viel Vertrauensvorschuss in seine Abschlussqualitäten beseelt einschießt!

Wahnsinn. Der Sportclub erneut in Führung. Die Blau-Weißen müssen jetzt aufmachen und der DSC kann kontern. Al Akied dringt in den Strafraum, vernascht seinen Gegner und wird elfmeterreif zu Boden gerissen. Der Schiedsrichter entscheidet auf Weiterspielen und gibt auf der Gegenseite zum Unmut der Hausherren Freistoß aus zentraler Position plus Gelb für den Übeltäter Thomas Hönle. Der Namensvetter der Kanzlerin tritt an und kann gekonnt über die Mauer zum Ausgleich verwandeln.

Ist die Sportclub-Moral jetzt gebrochen? Neugersdorf will’s wissen und noch einmal kommen die Gäste gefährlich in den Strafraum: Es entwickelt sich ein Gestocher, der Sportclub bekommt den Ball nicht weg aber der Schuss kann schließlich in höchster Not auf der Linie von Hönle abgewehrt werden. Die Aktion wird extatisch bejubelt, wie ein eigener Treffer. Das Gehege bebt und die Partie geht also in die Verlängerung.

Die beiden Mittelfeldasse Hänisch und Müller müssen nach herausragendem Abriss im Mittelfeld vollkommen erschöpft ausgewechselt werden. Wahnsinn was die beiden im Mittelfeld abgeliefert haben. DSC-Kapitän Nico Fuchs stemmt die Hände in die Hüfte: „Und das in meinem Alter!“ Robert Thomas und Felix Augustin, wo auch immer sie die Kraft hernahmen, erleben ihren dritten Frühling und laufen weiterhin die Gegner an um den Spielaufbau zu stören. Im Zusammenspiel haben beide sogar noch die riesen Möglichkeit auf die erneute Führung, doch Männel hält. Auf den Außen werfen sich Long, Al Akied und Sieradzki in alle Flankenversuche. Es folgt eine Orgie von Eckbällen und immer wieder Hönle, der Fels in der Brandung in der DSC-Defensive, der in der Verlängerung 11 von 10 Kopfballduellen gewinnt. Sein Nebenmann Kluge steht dem in Nichts nach und bringt die hineinsegelnden Flanken aus der eigenen Box.

Die sich zahlreich bietenden Überzahlsituationen nach Ballgewinnen können mangels Kraft nicht mehr ausgespielt werden. Die eingewechselten Alexanders Milic und Nodewald werfen sich in der gegnerischen Hälfte vor den Ball, um eine schnelle Spielfortsetzung zu verhindern. Was für eine Szene. Hier brennt wirklich jeder auf dem Feld. Die Rothemden werden getrieben von einer unzähmbaren Leidenschaft, mit den Fans im Rücken und retten sich nach einer dramatischen Verlängerung ins Elfmeterschießen.

Der Sportclub beginnt und den ersten Elfer verwandelt Nico Fuchs mit Bravur in den linken Knick. Auch Sieradzki lässt sich nicht lumpen und vollstreckt eiskalt. Robert Thomas schreitet zur Tat und verwandelt abgeklärt. Der Aufprall des vom Herzen fallenden Steins erschüttert das Ostragehege. Dauerbrenner Long verwandelt seinen Versuch ebenfalls abgebrüht. Allesamt souverän verwandelt, wie auch der letzte Versuch von Nodewald. Nun ist Rallison Schouppe gefragt. Alle bisherigen Versuche der Gäste gingen in die rechte Ecke. Dreimal war Schouppe nach links abgebogen. Der Keeper bleibt sich treu und pariert den ersten Versuch der Gäste auf‘s linke Eck. Der Sportclub hat die Sensation geschafft und erreicht die 3. Runde im Landespokal! Wahnsinn!

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